Die verlorene Zeit
Bei meiner Recherche über die verschiedenen Zeitalter in Verbindung mit der Entwicklung der Uhren im Laufe der Geschichte fiel mir auf, dass in vielen Literaturwerken als auch diversen Geschichtsbüchern eine Zeitspanne von ca. 1000 Jahren mal so eben ein klein wenig „unterschlagen“ wurde. Es betrifft die Zeit von 500 v.Chr. bis 500 n.Chr. Stellenweise wurde diese Zeitperiode übersprungen, welche zwischen dem Altertum und dem Frühen Mittelalter angesiedelt ist. Dabei bietet diese Epoche so manches aufsehenerregende Stückchen Uhrengeschichte.
Beginnen wir im Jahre 547 v.Chr. Ort des Geschehens: Sparta. Der Protagonist: Anaximander, ein Philosoph und Astronom. Zu besagter Zeit und Ort stellte der Grieche ein sog. Gnomon auf, eine Sonnenuhr.
Wir bleiben in Griechenland, wandern jedoch um einige Jahre in die Zukunft, ins Jahr 380 v.Chr. Platon, der berühmte griechische Philosoph, welcher nebenbei bemerkt ein Schüler des Sokrates war, ließ im Garten der Athenischen Akademie eine Wasseruhr installieren. Diese Wasseruhr wurde auch als Klepsydra bezeichnet und erzeugte mittels Aerokompression Töne, welche durch eine flötenspielende Figur wiedergegeben wurden. Klepsydren hatten zudem noch eine andere Funktion. Sie dienten auch als Zeitmessgerät für die Länge einer Rede, welche z.B. vor Gericht gehalten wurde. Diese Art der zeitlichen Redebegrenzung wurde Jahre später von den Römern übernommen.
Ein weiterer Grieche, Aristoteles, verwendetet bereits zu Lebzeiten das sog. Astrolabium, welches zur Zeitbestimmung verwendet wurde. Der berühmte Philosoph lebte um 384 v.Chr. bis 322 v.Chr.
Um ca. 300 v.Chr. machte Aristarchos eine faszinierende Entdeckung. Er stellte fest, dass sich die Erde um die Sonne bewegt und nicht umgekehrt. Er war der erste griechische Astronom, welcher das heliozentrische Weltbild vertrat.
Bei dieser Entdeckung fragt man sich natürlich, was danach passiert ist. Denn die Menschen glaubten nach wie vor nicht daran, dass die Sonne der Mittelpunkt unseres Sonnensystems sei. Erst über 2000 Jahre später sollte Kopernikus diese These erneut aufgreifen und somit zu einer Revolution in der Astronomie und der allgemeinen Weltanschauung führen.
Die Griechen… waren schon damals ihrer Zeit weit voraus. Wofür der Rest der Menschheit noch zwei Jahrtausende benötigte, wussten die alten Griechen schon damals, dass der Mensch, äh die Erde, nicht der Mittelpunkt des Universums ist.
Wandern wir weiter auf den Pfaden der Zeit….
150 v.Chr. – wiederum bei den Griechen – wurde eine Wasseruhr von Ktesisios aus Alexandria konzipiert, deren Wasserein- und auslauf mit einem Räderwerk kombiniert war. Einige Jahre später, so um ca. 145 v.Chr. erhielten die Römer eine Wasseruhr als Geschenk, welche in Rom als erste öffentliche Wasseruhr aufgestellt wurde.
Von Rom geht es wieder zurück nach Athen. Im Jahre 50 v.Chr. wird in Athen von Anoronikos, welches aus Kyrrhos stammte, der sog. „Turm der Winde“ konstruiert. Dieser Turm enthielt mehrere Sonnenuhren an den Außenwänden. Im Inneren des Turms war hingegen eine Wasseruhr integriert.
An dieser Stelle kommt man nicht umhin anzumerken, dass die Griechen ihrer Zeit wirklich voraus waren, was die Astronomie, die Physik als auch die Mathematik anbelangt. Während dieser Epoche (davor und auch danach) tut sich im Rest der Welt nur wenig. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der damalige Nabel der Welt in Griechenland lag. Die Mathematik von Heute beruht auf den Entdeckungen der alten griechischen Philosophen und Astronomen. Ohne diese grundlegenden Entdeckungen wäre die Welt von Heute gar nicht denkbar, zumindest nicht in dieser Ausprägung.
Machen wir einen Ausflug ins Römische Imperium, zu Zeiten des großen Julius Cäsar. Julius – Staatsmann, Feldheer, Autor und Geliebter der Kleopatra – lässt 46 v.Chr. durch diverse Astronomen die erste Kalenderreform durchführen. Die damalige Zeitordnung wurde auf den Julianischen Kalender umgestellt.
Ein kluger Kopf namens Pollio Vitruvius schrieb 25 v.Chr. ein erstes Fachbuch bzw. Uhrenlexikon. Das Werk, welches als „De Architectura“ in die Geschichte einging ist ein Lehrwerk, das aus 10 Bänden besteht. Darin befinden sich zahlreiche Einträge aus dem Bereich der Architektur und Technik. In Band 9 wurde die bis dato bekannte Uhrentechnik beschrieben, welche Sonnen- als auch Wasseruhren sowie andere Elemente der Zeit umfasste. Insgesamt beschrieb Vitruvius über 13 verschiedene Arten von Sonnenuhren.
Im Jahre 9 v.Chr. wurde die größte (gilt bis heute) Sonnenuhr gebaut, welche die Menschheitsgeschichte jemals hervorgebracht hatte. Kaiser Augustus gab einen Zeitmesser in Auftrag und erhielt eine Sonnenuhr von gigantischen Ausmaßen. Der Obelisk des Gnomon war über 30 Meter hoch und die Skala hatte einen Durchmesser von 200 Metern. Auf der Spitze des Obelisk war eine Kugel angebracht. Das Solarium Augusti – wie die Sonnenuhr genannt wurde – war auf dem Marsfeld in Rom errichtet worden.
Unser Weg durch die Geschichte führt uns ins 1. Jahrhundert. Tyros schlug vor, die Erde in Längen- und Breitengrade aufzuteilen. Dieser Vorschlag kam ein wenig spät, denn der Grieche – wir hätten auch nichts anderes angenommen
– Hipparchos teilte schon ca. 140 v.Chr. die Erde in Richtung Ost/West in exakt 360 Grad ein. Bis fast Ende des 19. Jahrhunderts war die Einteilung der Längen- und Breitengrade uneinheitlich. Erst 1884 auf der Internationalen Meridiankonferenz in Washington einigte sich die Welt auf eine einheitliche Einteilung.
Um ca. 500 n.Chr. wurde auf dem Marktplatz von Gaza eine monumentale und überdimensionierte Wasseruhr aufgestellt, welche über einen Stundenschlag verfügte. Diese Wasseruhr wurde aufgrund ihrer überwältigenden Größe auch Herkulesuhr genannt.
Einige Jahre später – ca. 507 – wurde von dem römischen Gelehrten Cassiodorus eine Kombination aus Sonnenuhr und Wasseruhr entworfen. Sie verfügte über einen „Stundenschlag“, denn die Stunden wurden durch herabfallende Kugeln angezeigt, welche in ein Metallbecken fielen. Die Uhr wurde für Theoderich den Großen angefertigt.
Eine faszinierende Epoche, woran vor allem die Griechen ihren Anteil hatten. Man kann mit Recht die Griechen als Erfinder der modernen Uhr bezeichnen. Die Römer, welche ja oftmals erwähnt wurden, fielen mehr durch Eroberung und Plagiate auf, als durch eigene Innovationen. Man könnte diese Zeit auch als die „Griechische Uhrenepoche“ bezeichnen, denn die antiken Griechen legten den Grundstein für die heutige Zeitrechnung. Ihre Ideen und Erfindungen brachte die Menschheit ein gutes Stück voran; sie legten das Fundament für die Zivilisation.
Die Entwicklung der Uhr im Laufe der Geschichte – Teil: 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / 6 / 7 / 8