Die Schüchterne – die Geschichte der Hemmung Teil 1

Ein kleines Stückchen Technik hat im Laufe der Jahrhunderte für Furore gesorgt, ist aber den wenigsten Menschen ein Begriff. Deshalb ist es an der Zeit, die Hemmung und ihre viele verschiedenen Typen einmal vorzustellen. Eingebettet in das Räderwerk einer Uhr, bedarf es schon einiger Überredungskunst, die Hemmung aus ihrem Versteck zu locken. Sie ist vielleicht das schüchternste Bauteil der Uhr, jedoch läuft ohne sie gar nichts. Die Welt der Uhren würde aus den Fugen geraten, wenn es diese hemmenden Bauteile nicht geben würde. Aus diesem Grund ist es Zeit, dass die Hemmung ihre Schüchternheit ablegt und sich dem Licht der Öffentlichkeit stellt.

An dieser Stelle werden sich viele fragen, was denn eine Hemmung ist und was sie mit einer Uhr zu tun hat. Denn eigentlich soll ja eine Uhr stetig laufen und nicht gehemmt werden. Würde es aber die Hemmung nicht geben, so würde die Uhr über keinen regelmäßigen Gang verfügen.
Die Hemmung ist ein komplexes Werk aus verschiedenen Bauteilen und besteht in ihren Grundelementen aus dem Hemmungsrad und dem Anker. Das Hemmungsrad wird auch als Gangrad, Steigrad oder auch als Ankerrad bezeichnet, je nach Typ der Hemmung. Die Hemmung – das französische Wort dafür ist: Echappement – ist in Räderuhren die Verbindung zwischen dem Räderwerk und dem Gangregler. Der Anker – auch als Hemmstück bezeichnet – greift in periodischen Abständen in das Hemmungsrad ein und zwingt es somit zum „Anhalten“, was zu einem regelmäßigen Gang der Uhr führt. Gleichzeitig wird jedoch Energie durch die Hebung freigesetzt, so dass die Uhr nicht stehen bleibt.

Die Hemmung hat viele Gesichter bzw. verschiedene Konstruktionen. Bekannt sind bis dato ca. 250 verschiedene Arten von Hemmungen. Diese lassen sich je nach ihrer Funktion in drei Hauptgruppen einordnen. Diese Hauptgruppen haben sich im Laufe der Jahrhunderte nacheinander entwickelt, so dass sie auch gleichzeitig die Geschichte der Hemmung erzählen. Man unterscheidet zwischen: Rückführende Hemmung, Ruhende Hemmung und Freie Hemmung.

Der Grundstein für die Hemmung wurde Mitte des 17. Jahrhunderts gelegt. Dabei waren es nicht immer die Uhrmacher, die die Uhren und die Räderwerke entwickelten. Der „Vater“ der Hemmung war Christiaan Huygens, der berühmte Astronom, Physiker und Mathematiker. Im Jahre 1657 lässt sich Huygens die erste Hemmung patentieren. Diese setzte er in seine, ebenfalls von ihm konstruierten, Pendeluhren ein. Mit dieser Erfindung war die Zeit kein dehnbarer Begriff mehr sondern eine konstante Größe. Denn die Ganggenauigkeit dieser Pendeluhr lag bei einer max. Abweichung von 10 Sekunden pro Tag.

Ein einfaches technisches Prinzip hat die Zeit in geordnete Bahnen gelenkt. Zu Beginn der Uhren waren Abweichungen von mehreren Minuten an der Tagesordnung. Erst die Hemmung läutete so richtig das Zeitalter der Uhren ein und sorgte für eine neue Definierung des Wortes Pünktlichkeit.