Unruh(ige) Zeiten – das Herzstück des Uhrwerkes
Die Unruh – ohne sie wäre „Funkstille“, ohne sie gäbe es keine Bewegung in der Uhr, denn erst die Unruh bringt Schwung in die Anordnung von Rädern, Wellen und vielen anderen Bauteilen. Die Unruh ist das Herz eines jeden Schwingsystems, welches sich in Kleinuhren wie z.B. Armband- und/oder Taschenuhren befindet. Sie ist der Puls, der der Uhr Leben einhaucht.
Die Unruh ist eine Art Taktgeber; aus ihren Schwingungen wird die Zeit ermittelt. Erfinder ist der Niederländer Christiaan Huygens, der sich im 17. Jahrhundert einen Namen als Astronom, Mathematiker und Physiker gemacht hat. Im Jahre 1675 wurde von ihm die Unruh erfunden, welche er sich auch patentieren ließ.
Die Unruh ist vielen vom Aussehen her bekannt und weniger dem Namen nach. Es gibt viele Uhren, die entweder über einen Glasboden oder ein teilskelettiertes Ziffernblatt verfügen. Durch diese sind Ausschnitte oder auch die ganze Unruh zu sehen. Man erkennt sie an ihrem konstanten und gleichmäßigen Hin und Her schwingen. Die Unruh ist ein sog. Schwungrad, welches in der Regel aus Metall gefertigt ist. Gelagert ist sie an den Zapfen der beiden Wellenenden. Zusammen mit einer Spiralfeder bildet die Unruh ein schwingungsfähiges System. Die Unruh wird auch als Gangregler der Uhr bezeichnet. Dies bedeutet, je genauer die Schwingungen der Unruh sind, desto präziser ist die Ganggenauigkeit der Uhr.
Die Unruh sieht aus wie ein antikes Wagenrad, das aus einem Reifen und mehreren Speichen besteht. Dieser Reifen oder dieses Rad ist auf einer Welle aufgebracht. In der Regel sind Unruh und Welle aus Messing oder aus einer sog. bimetallischen Kombination wie z.B. Stahl-Nickel-Messing gefertigt.
Neben dieser Grundform gibt es auch noch andere Bauformen für eine Unruh. Durch die ständige Bewegung entsteht Wärme, welche mittels geschlitzten Reifen abgeführt wird bzw. die Schlitze im Reifen dienen der Belüftung und somit dem Temperaturausgleich. Des Weiteren können zudem Steine (i.d.R. Edelsteine wie Rubine) oder auch Schrauben auf ihr befestigt sein. Mit diesen zusätzlichen Gewichten wird das Trägheitsmoment der Unruh eingestellt.
Weitere Ausführungen sind: Unruh mit Spirale und einer sog. Körnerwelle; Stiftankerunruh mit Finger und Spirale; Stiftankerunruh mit Doppelscheibe und Spirale; Unruh mit Doppelscheibe und einer flachen Spirale; Unruh mit einer Doppelscheibe und der sog. Breguetspirale und die Zylinderunruh mit einfacher Spirale.
Egal welche Ausführung man auch nimmt, jede Unruh verfügt über eine Spirale oder Spiralfeder. Ohne diese wäre eine konstante Schwingung der Unruh nicht möglich.
Da jede Uhr – egal ob Taschen- oder Armbanduhr – auch äußeren Einflüssen, wie z.B. Temperaturschwankungen, ausgesetzt ist, wurde die Unruh mit einer sog. Temperaturkompensation versehen. Durch eine Wärmeeinwirkung dehnen sich die Bauteile der Uhr aus, was zu Formänderungen führen kann. Besonders betroffen ist hierbei die Spirale. Es gibt zwei Arten der Temperatur-Kompensation bei der Unruh. Zum Einen sind das die Bimetall-Unruh mit einer Stahlspirale und zum Anderen eine monometallische Unruh, welche mit einer Nivarox-Spirale ausgestattet ist. Des Weiteren gibt es auch die sog. Schraubenunruh. Die Kompensation erfolgt hier durch Stellschrauben, welche am Unruhreifen angebracht sind.
Das „unruhige“ Stück Metall bringt durch das konstante Schwingen Leben in die Uhr. Ohne eine Unruh gäbe es keine Zeitanzeige, vor allem keine genaue.