Swatch-Zeiten

Swatch ist eines der größten und erfolgreichsten Uhrenunternehmen der Welt. Des Weiteren ist Swatch auch „die“ Uhr.
Im Zeitalter des Internets hat sich Swatch auch hier einen Namen gemacht mit der Swatch Internetzeit.

Diese Internetzeit von Swatch ist eine Art der dezimalen Zeitmessung. Jedoch sollte hier beachtet werden, dass die Swatch-Internetzeit nichts mit der koordinierten Weltzeit UTC oder mit dem Network Time Protocol NTP zu tun hat.
Die Swatch-Internetzeit – welche auch als Beal Mean Time bezeichnet wird – nach Biel, dem Firmensitz des Unternehmens Swatch – wurde im Jahre 1998 von dem Unternehmen Swatch erfunden. Trotz eines gewissen Interesse – vor allem bei den Swatch-Liebhabern – konnte sich die Swatch Internetzeit nicht durchsetzen. Es gibt einige Swatch-Uhren, welche als Zusatzfunktion in einem Hilfsziffernblatt über diese Anzeige verfügen.

Unsere „Normal“-Zeit ist auf dem sog. Babylonischen System aufgebaut. Dies sieht eine Einteilung von 24 Stunden zu je 60 Minuten zu je 60 Sekunden vor.
Bei der Swatch-Time wird der Tag in sog. „Beats“ unterteilt. Ein Tag in Swatch Internetzeit beinhaltet 1000 dieser Beats. Ein Beat entspricht umgerechnet in das Babylonische System 1 Minute und 26,4 Sekunden. Entgegen der üblichen Zeitanzeige von z.B. 10.48 Uhr wird die Swatch-Time auf folgende Weise dargestellt: z.B. 327@ – die Anzahl der Beats und das @-Zeichen.
Diese Art der Zeiteinteilung gab es schon einmal in der Geschichte der Menschheit. Im Frankreich während der Französischen Revolution (1789 – 1799) wurde die Zeit in Dezimal eingeteilt, was sich jedoch schon damals nicht durchsetzen konnte.
Im Unterschied zur „normalen“ Weltzeit, gibt es bei der Swatch Internet Time keine verschiedenen Zeitzonen. In diesem System gibt es weltweit nur eine Zeit; z.B. 312@ in München, 312@ in Dublin, 312@ in Anchorage, 312@ in Tokio. Als Grundwert wurde für die Zahl 0 die „normale“ Uhrzeit 00.00 Uhr MEZ genommen. MEZ ist die Mitteleuropäische Zeit. Ein Beispiel: 09:15 Uhr MEZ ergibt in Swatch Time 385@ (385 Beats).

Dieses System hat jedoch erhebliche Nachteile. Da es zum selben Zeitpunkt überall auf der Welt die gleiche Uhrzeit hat, ist eine Unterscheidung zwischen Tag und Nacht z.B. auf Emails nicht mehr möglich. Des Weiteren gibt es erhebliche Diskrepanzen in Zusammenhang mit dem Datum. Es ist die gleiche Uhrzeit, jedoch durch die verschiedenen Zeit- (Datums)-Zonen der Erde gibt es zwei verschiedene Daten. Zum Beispiel die o.g. 385@ sind zur gleichen Zeit sowohl in Sydney, Australien (01. Januar 2010), während bei der gleichen Uhrzeit 385@ in Deutschland noch der 31. Dezember 2009 ist. Bei Geschäftsterminen rund um die Welt dürfte es da zu einigen Schwierigkeiten und Missverständnissen kommen.
Bezogen auf das Internet, welches schon seit Entstehung auf UTC-Zeit eingestellt ist, ist der Sinn der Swatch Internet Zeit mehr als fraglich.
Der einzige Vorteil, den das System bietet, ist das leichtere Rechnen im Dezimalsystem. Wenn man weiß, dass 1000 Beats 1 Tag (24 Stunden) ist, dann lässt sich schnell hochrechnen, dass 4000 Beats 4 Tage oder 7500 Beats 7,5 Tage sind.
Würde man hingegen (nach dem Babylonischen System) sagen 164 Stunden, so braucht man schon eine längere Zeit, um diesen Wert auf Tage umzurechnen. Schwieriger wird es noch, wenn Minuten und Sekunden mit dabei sind.

Jedoch wiegt ein einziger Vorteil – welcher sich in der täglichen Anwendung kaum findet – nicht die zahlreichen Nachteile auf.
Man könnte die Erfindung der Swatch-Zeit als gut durchdachte Werbekampagne bezeichnen. Mit Hilfe der Swatch Internetzeit wird die Stellung der Swatch-Uhr noch einmal deutlich hervorgehoben, so nach dem Motto: eine besondere Uhr benötigt auch eine besondere Zeit.
Swatch und seine Trends in allen Ehren – aber manchmal hat es doch seine Vorteile, wenn man Bewährtes bewahrt.