Die Domuhr in Münster (Nordrhein-Westfalen) gleicht in den Hauptteilen der Uhr im Straßburger Münster, welche auch als „Drei-Königs-Uhr“ bekannt ist. Diese wurde von 1352 bis 1354 gebaut. Die Münster Domuhr hat wie die „Drei-Königs-Uhr“ in der oberen Etage einen Rundgang. Im Mittelbau befindet sich das Astrolabium und im unteren Abschnitt das Kalendarium. Des Weiteren befinden sich in der unteren Etage mehrere Zimbeln, welche zu einem Glockenspiel gehörten, welches jedoch heute nicht mehr vorhanden ist (zumindest nicht in seiner ursprünglichen Bauart).

Die Domuhr in Münster zählt zu den wenigen Uhren, welche bis auf den heutigen Tag fast vollständig erhalten geblieben sind. Sie ist eine Zeugin längst vergangener Zeiten und ist ein beredtes Zeugnis über den hohen Stand von Kunst und Wissenschaft unserer Ahnen.

Die Domuhr verfügt – außer den astronomischen Teilen – über einen ewigen Kalender, welcher unter dem Hauptziffernblatt angebracht ist. Der Kalender besteht aus einer großen runden Kalenderscheibe aus Holz. Des Weiteren sind auch die Zähne, welche die Kalenderscheibe antreiben aus Holz gefertigt. Die Uhr verfügt des Weiteren über Anzeigen für das Jahr, den Monat, den Tag, dem Buchstaben für den Sonntag sowie Namen verschiedener Heiligen. Die beweglichen kirchlichen Feiertage (Ostern, Pfingsten, usw.) befinden sich auf einer Scheibe, auf welcher 12 Bilder angebracht sind. Diese Bilder stellen die vier Jahreszeiten dar. Die Bilder, welche auf der Domuhr gemalt sind, stammen von dem Maler Hermann Tom Ring, welcher Ende des 16. Jahrhunderts das Ziffernblatt der Domuhr bemalt hat. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Gemälde aufwändig restauriert.

In der Mitte der Kalenderscheibe befindet sich eine Figur, welche einen Zettel mit der Aufschrift „hic est mensis prasens“ in der Hand hält. Übersetzt bedeutet dies: „der aktuelle Monat“. Eine zweite Figur, welche sich seitlich von der zentralen Figur befindet, hält ein Schild in der Hand mit der Aufschrift: „haec est dies hodierna“, was übersetzt bedeutet: „ das aktuelle Datum“. Die Kalenderscheibe wurde inzwischen mit einem Gitter versehen, welches vor unerlaubtem Berühren schützen soll.

Über dem Hauptziffernblatt befindet sich im Hintergrund ein verzierter Vorsprung, in dessen Mitte sich die heilige Jungfrau mit dem Jesuskind befindet. Zu jeder vollen Stunde öffnet sich rechts eine kleine Tür, wodurch die heiligen drei Könige heraustreten. Nacheinander ziehen sie an Maria und Jesus vorbei, verbeugen sich und verschwinden auf der linken Seite durch eine kleine Tür. Bei jeder Verbeugung der Könige, nickt Jesus mit dem Kopf als Zeichen des Grußes. Die Szene ist mit einem leisen Glockenspiel untermalt.
- Rechts neben Maria und Jesus befindet sich eine Figur, welche den Tod darstellt. Hier befindet sich auch ein Knochengerippe sowie eine weitere Figur, welche den Zeitgott darstellt. Links befindet sich eine junge Frau sowie ein Trompeter. Die junge Frau gibt das Signal für die Schläge zur vollen Stunde, der Tod auf der rechten Seite gibt den Takt für die Schläge zur Viertelstunde.

Zu jeder vollen Stunde treten alle vier Figuren in Aktion. Zuerst beginnt der Tod die 4 Viertel der Stunde auf die vor ihm hängende Glocke zu schlagen. Danach dreht der Zeitgott eine Sanduhr, welche er in der Hand hält. Der Trompeter bläst in sein Instrument und die junge Frau schlägt jetzt mittels eines Hammers die volle Stunde.

Zu gleicher Zeit wird auch das Schlagwerk in Bewegung gesetzt, um die großen Glocken läuten zu lassen.

Der Ton, welcher der Trompeter von sich gibt, wurde in früheren Zeiten als Vergleichston beim Chorgesang genutzt.

Die Sanduhr, welche sich in der Hand des Zeitgottes befindet, dreht sich um ihre eigene Achse. Die Bewegung wird mittels eines Laufwerkes mit Kette und Gewicht induziert.

Das Hauptziffernblatt verfügt über einen Durchmesser von 2 Metern. Auf diesem ist ein Gemälde vom Äquator sowie den Wendekreisen angebracht. Darüber befinden sich die Tierkreiszeichen auf einer beweglichen Scheibe. Unter jedem Wendekreis sind die Länder angegeben, welche unter diesen liegen. Das Ziffernblatt verfügt über 7 verschiedene Zeiger, welche mit Namen und Schildchen gekennzeichnet sind. Fünf Zeiger tragen die Namen der Planeten: Venus, Merkur, Jupiter, Saturn und Mars. Der sechste Zeiger zeigt den Mond und der siebte Zeiger die Sonne.

Das Ziffernblatt verfügt über eine 24-Stunden-Anzeige (siehe hierzu 24-Stunden-Anzeige). Die verschiedenen Zeiger der Uhr wechseln bei ihren täglichen Umdrehungen ihren Standort und zeigen die Tierkreiszeichen sowie die aktuellen Monate an, wie es der Realität entspricht. Die Sonne, welche auf dem großen Stundenzeiger befestigt ist, wurde verschiebbar angebracht. Mittels eines Exzenters, welcher von den Sternbildern gesteuert wird, verschiebt sich die Sonne an der Zeigerstange und zeigt auf diese Weise den aktuellen Standpunkt der Sonne im jeweiligen Tierkreis an.

Auch der Mond ist auf seinem Zeiger beweglich angebracht. Auf diese Weise werden die verschiedenen Mondphasen dargestellt, welche den tatsächlichen Mondphasen entsprechen. Bei Vollmond erscheint der Mond weiß, beim Neumond schwarz.
Das astronomische Ziffernblatt ist ein Meisterwerk an Technik und Konstruktion. Die jeweiligen Planetenstände stimmen exakt mit den wirklichen Ständen der 6 Planeten und der Sonne überein.

Links und rechts neben dem Hauptziffernblatt befinden sich säulenartige Öffnungen, welche übereinander angeordnet sind. In diesen sind längliche Scheiben eingebracht. Auf jeder Seite befinden sich 12 solcher Scheiben, für den Tag und für die Nacht. Jede der Scheiben weist eine Aufschrift auf, welche entweder den Namen der Sonne oder eines der Planeten angibt. Unterhalb jeder Scheibe befinden sich die Worte „regit in 1 ma hora; regit in 2 da hora; usw. bis zur Zahl 24. Diese Einrichtung beruhte auf einem damals weit verbreiteten Aberglauben: Jeder Planet hat eine besondere Bedeutung und Auswirkung auf die Menschen und ihr Schicksal.

Die Domuhr diente zur damaligen Zeit für alle anderen Uhren der Stadt als Abgleichsuhr. Da jedoch mit der Zeit die Ganggenauigkeit der Uhr zu wünschen übrig ließ, wurde 1818 die veraltete Spindelhemmung gegen eine ruhende Hemmung mit einem langen Pendel ausgetauscht. Die neue Hemmung wurde von dem Uhrmacher Carl Münch konstruiert.

Eine Uhr gleicher Bauart befand sich auch im Dom in Osnabrück, welche 1587 fertig gestellt wurde. Nachdem die Uhr 1646 stehen geblieben war, verschwand diese spurlos. Es gibt nur noch historische Aufzeichnungen über die Osnabrücker Domuhr. Sie ist bis heute nicht gefunden worden bzw. man hat nie heraus gefunden, was mit ihr passiert war.

Siehe auch Domuhr in Beauvais!