Die Entwicklung der Uhr im Laufe der Geschichte – Teil 4
Der Barock – oder ist es das Barock? – war eine Zeit in der kulturgeschichtlichen Epoche, welche der Renaissance folgte und vom Ende des 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts andauerte. Der Barock wird in verschiedene Epochen unterteilt, dem Frühbarock, welcher von Anfang bis Mitte des 17. Jahrhunderts andauerte, dem Hochbarock, welcher von Mitte 17. bis Anfang 18. Jahrhundert andauerte und dem Spätbarock, welcher auch als Rokoko bezeichnet wird und vom Anfang bis Ende 18. Jahrhundert reichte. Der Barock ist vor allem durch seine Üppigkeit, seine Pracht und Schönheit bekannt. Diese Epoche und seine Entwicklungen machte auch nicht vor den Uhren halt.
Zu Beginn dieser zeitgeschichtlichen Ära rückten die Uhrengehäuse immer mehr in den Vordergrund und gewannen immer mehr an Bedeutung. Die Gehäuse wurden aus wertvollen Materialien hergestellt und aufwändig verziert. Vor allem Tierfiguren aus Gold und Silber wurden am und um das Gehäuse angebracht. Des Weiteren findet man auch das Gehäuse selbst in einer Tierform wieder. Zudem banden die Uhrmacher oftmals auch Künstler wie z.B. Maler und Bildhauer in ihre Arbeit mit ein und entwickelten zusammen mit diesen oftmals ganze Szenarien von Figuren, welche eine individuelle Geschichte erzählten. Die Figuren als auch das Gehäuse sowie das Ziffernblatt wurden von den Malern aufwändig mit Landschaften oder anderen Motiven bemalt. Die Verzierungen als auch die Figuren zeichneten sich vor allem durch rundliche Elemente aus, welche bei den Gehäusen oftmals in Bögen und Kuppeln zum Ausdruck kam.
Auch in Sachen Uhren-Technik entwickelten sich die Uhren weiter, auch wenn diese eine gewisse Zeit lang hinter dem Aussehen der Uhr zurückstecken musste. Dies war auch die Zeit (16. Jhdt), in der es bereits vereinzelt Uhren gab, welche über einen Minutenzeiger verfügten. Der Uhrmacher Jost Bürgi entwickelte Uhren, welche über Hilfsziffernblätter verfügten. Diese enthielten den Sekundenzeiger. Obwohl zu dieser Zeit eine exakte Zeitmessung bzw. Ganggenauigkeit noch nicht gewährleistet war, so war der Sekundenzeiger doch eine kleine Revolution bei der Entwicklung der Uhren.
Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Uhren war die Weiterentwicklung des Pendels, indem es als Gangregler eingesetzt wurde. Dies war der erste Schritt in Richtung wissenschaftliche Chronometrie. Galileo Galilei – ein genialer Wissenschaftler und Visionär – beschrieb Ende des 16. Jahrhunderts das Prinzip der Pendelgesetze und entdeckte den sog. Isochronismus. Galileo konstruierte einen Mechanismus mit einer freien Hemmung und einem Pendel. Allerdings konnte Galileo diese Konstruktion zu Lebzeiten nicht mehr vollenden.
Etwa zur gleichen Zeit wie Galileo entwickelte der Holländer Christiaan Huygens – ein berühmter Astronom, Mathematiker als auch Physiker – eine fast identische Idee. Aufgrund seiner Konstruktionspläne ließ Huygens von Salomon Coster die erste Pendeluhr anfertigen.
Dann ging es in der weiteren Entwicklung der Uhren Schlag auf Schlag. Kurze Zeit nach Huygens entwickelte William Clement die erste Ankerhemmung für Großuhren. Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf die Ganggenauigkeit der Uhren. Die Räderuhren wurden zu Präzisionsuhren und wiesen nur noch wenige Sekunden Gangabweichung pro Tag auf. Durch diese Erfindung wurde die Uhr und deren Entwicklung schlagartig in neue Dimensionen katapultiert. Viele Kunden bzw. Besitzer von Großuhren ließen aufgrund der neuen Technik ihre alten Uhren umbauen und die Gangregler durch das Pendel ersetzt. Der Minutenzeiger wurde zu einer festen Größe auf dem Ziffernblatt.
Die Hochburgen der Uhrmacherei waren in diesen Zeiten die Niederlande, England und auch Frankreich.
Zu dieser Zeit entstand in London ein Uhrentyp, welcher rund um die Welt bekannt wurde. Die Grandfather Clock (Großvateruhr), eine Bodenstanduhr, welche zusammen mit den sog. Bracket Clocks zum Synonym für Großuhren wurden und jeweils über eine Ankerhemmung verfügten.
Die mittelgroßen Standuhren, zu welchen die Pendule zählt, entwickelte sich vor allem in Paris und Blois (Frankreich) weiter. Diese wiesen regionaltypische Gehäusestile auf.
Im Zeitraum von ca. 1720 bis 1780 waren vor allem im englischsprachigen Raum die sog. Kutschenuhren beliebt. Kutschenuhren sind überdimensionierte Taschenuhren, welche mit einem Schlag- und z.T. auch mit einem Spielwerk ausgestattet waren. Die Kutschenuhren wurden auch als Reiseuhren bezeichnet und waren entweder innen oder außen an der Kutsche angebracht. Nach dieser Zeit wurde die Kutschenuhr durch ein anderes Modell ersetzt, der sog. Carriage Clock. Diese französische Variante hierbei war die Pendule d’Officier.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schifffahrt schon eine lange Tradition. Der Handel zwischen den Kontinenten blühte und durch die ständig wachsende Konkurrenz wurden die Seewege auch in den Wintermonaten befahren, was an Schiff und Matrosen höchste Anforderungen stellte. Um sicher navigieren zu können, waren präzise Zeitmesser von großer Bedeutung. Es wurden von den Reedereien als auch von den Regierungen Preisgelder ausgeschrieben, wer als erster zuverlässig das Problem der Bestimmung der Längengrade als auch der geographischen Länge lösen konnte. Jedoch sollte es über 150 Jahre dauern, bis John Harrison 1759 das Problem löste, indem er in diesem Jahr den ersten Marinechronometer konstruierte.
Die Zeit des Barocks ist vor allem durch seine schwingenden, konvexen und konkaven Bauten bekannt. Es wurde mit Licht und Schatten gespielt, um den Figuren und Gemälden eine besondere Tiefe zu verleihen, so dass diese eine gewisse Lebendigkeit zur Schau trugen. Der Barock war die Zeit der Kontraste und der Bewegung. Die klar strukturierten Linien der Renaissance wurden abgelöst von prunkvollen, reich verzierten und dekorativen Stilen, welche sich auch auf die Entwicklung der Uhren auswirkte. Dieser Epoche verdanken wir die prächtigsten Uhrengehäuse, welche die Zeit jemals erblickt hat.
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