Die Zeit – eine Konstante oder ein individuelles Erlebnis?
Eigentlich ist die Zeit eine feste physikalische Größe. Mit der Zeit kann man die Abfolge von Ereignissen beschreiben. In der menschlichen Wahrnehmung schreitet die Zeit in eine Richtung voran, von der Vergangenheit in die Gegenwart weiter in die Zukunft.
Nach Albert Einstein Relativitätstheorie bildet die Zeit zusammen mit dem Raum die sog. Raumzeit, wobei die Zeit hier die Rolle einer eigenen Dimension einnimmt.
Aber seit wann gibt es die Zeit? War sie schon immer da? Oder ist sie eine Erfindung der Neuzeit? Einer der intelligentesten Köpfe dieses Planeten, Stephen W. Hawking, sagt aus – ebenso wie Albert Einstein – dass der Urknall der Beginn von Raum und Zeit war. Hawking sagt weiterhin, dass vor dem Urknall es keine einzige Sekunde Zeit gab, ebenso wenig wie es auf der Erde einen Punkt gibt, der 1 km nördlich des Nordpol liegt.
Das lässt darauf schließen, dass die Zeit ein begrenzter Faktor ist. Sie hat an einem bestimmten Punkt der Geschichte des Universums erst begonnen. Das führt natürlich unweigerlich zur nächsten Frage: Wenn die Zeit einen Anfang hat, endet sie dann auch wieder?
Die Zeit bleibt nie stehen und der wohl beachtenswerteste Punkt bei der Geschichte der Zeitmessung bildet die Gegenwart. Wie viel Zeit ist die Gegenwart? 1 Sekunde? 5 Minuten? Was sicher ist, dass alles was vorher war schon Vergangenheit ist. Die Zeit fließt unaufhaltsam dahin und entzieht sich somit einer genauen naturwissenschaftlichen Betrachtung.
Wenn die Zeit nicht von den Naturwissenschaftlern bestimmt werden kann, dann vielleicht von den Philosophen. In der Philosophie spricht man vom Wesen der Zeit. Die Psychologen sprechen hingegen von der Zeitwahrnehmung und dem Zeitgefühl und die Ökonomen sehen die Zeit als eine Art Wertanlage oder Wertgegenstand.
Schon vor vielen Tausend Jahren haben sich die berühmtesten Philosophen der Geschichte sich mit dem Thema Zeit befasst.
Aristoteles teilte die Zeit in viele Abschnitte ein, sog. Zeitintervalle oder Kontinuum, da sie das Maß jeder Bewegung ist.
Für Platon hingegen hatte die Zeit kein bestimmtes Wesen, sondern ist nur ein bewegtes Abbild des eigentlichen Seins.
Augustinus machte sich unsterblich mit seiner Antwort auf die Frage: Was ist die Zeit?
Augustinus: „Wenn mich niemand danach fragt, dann weiß ich es. Will ich es einem Fragenden erklären, dann weiß ich es nicht.“
Newton und Leibniz hätten keine unterschiedlichere Meinung über das Thema Zeit haben können. Während Newton der Ansicht war, dass die Zeit so real war wie substantielle Objekte, erklärte Leibniz, dass die Zeit nur eine gedankliche Konstruktion sei, sie kein Wesen habe und demzufolge es auch keinen Zeitfluss geben kann.
Der Ansatz der Philosophen die Zeit zu definieren, mag eine gewisse logische Erklärung beinhalten, jedoch hilft das dem Betrachter von heute auch nicht viel weiter.
Die Psychologen gehen an das Thema Zeit ganz anders heran. Hier wird unterschieden zwischen der subjektiven wahrgenommenen Zeit und der objektiv gemessenen Zeit. Zwischen beiden bestehen erhebliche Differenzen.
Ein Beispiel: Man verbringt zwei Stunden mit einem geliebten Menschen. Die Zeit vergeht wie im Fluge und es kommt einem vor, als wären es nur 20 Minuten gewesen.
Sitzt man hingegen 2 Minuten auf einer heißen Herdplatte, dann kommt einen diese Zeitspanne wie eine Ewigkeit vor.
Ein Zeitraum, in dem viel passiert, wo man beschäftigt ist und abgelenkt, erscheint einem sehr kurz. Zeiträume, in denen nichts passiert, wo man auf etwas wartet, vergeht die Zeit quälend langsam.
Von dieser Beobachtung kann man auch die Begriffe „Kurzweil“ und „Langeweile“ ableiten.
Jedoch beantwortet auch das nicht, was denn nun genau die Zeit ist.
Jeder Mensch hat eine innere Uhr, die in etwa synchron mit dem Tages- und Nachtrhythmus läuft. Jedoch ist die biologische innere Uhr des Menschen nicht vom Tageslicht abhängig. Experimente in unterirdischen Bunkern haben gezeigt, dass die Menschen einen circadianen Rhythmus entwickelten, welcher im Durchschnitt bei 25 Stunden lag, unabhängig davon, welche Zeit die Uhr angezeigt hat. Diese ganzen Vorgänge werden in der Chronobiologie zusammengefasst.
Ein weiteres beliebtes Thema in Sachen Zeit sind die Zeitreisen. Diese sind ein beliebtes Thema in Literatur und Film. Sind jedoch Zeitreisen möglich? Wenn die Zeit konstant in eine Richtung läuft, kann es dann sein, dass man gegen den Zeitfluss reisen kann?
Zu diesem Thema gibt es einige Theorien, welche weder belegt noch widerlegt sind. Es ist demzufolge nicht ausgeschlossen, dass es funktionieren könnte.
Die Zeitreise beruht auf der Relativitätstheorie von Albert Einstein. Inwieweit jedoch die Krümmung des Raumes und andere physikalische Größen eine Zeitreise ermöglichen könnten, ist nicht endgültig geklärt. Eine weitere Theorie sind Wurmlöcher, welche einen Ort im Weltraum mit dem eines anderen verbinden, welche auf zwei verschiedenen Zeitebenen existieren. Eine weitere Möglichkeit wäre die Nähe zu zwei kosmischen Strings. Strings sind hypothetische, eindimensionale Defekte in der Topologie des Raumes. Diese sind bis jetzt allerdings nicht belegt, da sie noch nicht beobachtet wurden und bisher nur in der Theorie der Astrophysiker existieren.
Egal welche Theorie zum Erfolg führen könnte, mit dem heutigen technischen Stand wäre eine Zeitreise nicht möglich. Was wäre aber wenn? Würde man sich dann selbst in der Zeit begegnen und somit den Lauf der Geschichte und der Zeit an sich verändern? Lt. Hugh Everett – ein brillanter Physiker – würde das nicht passieren. Nach seiner Vielwelten-Theorie würden diese Paradoxien vermieden werden, da die Vergangenheit in eine Parallelwelt übergeht. Die Zeit wird es zeigen, ob all die großen Physiker mit ihren Theorien recht hatten.
Trotz der vielen Versuche, Beobachtungen und Erklärungen im Laufe der Geschichte der Menschheit, ist man bisher noch zu keinem übereinstimmenden Ergebnis gekommen, was Zeit denn nun ist.
Eines steht jedoch fest, beim Schreiben ist die Zeit rasend schnell vergangen und ich habe diese wieder einmal komplett vergessen.