Ist die Möglichkeit zur Zeitmessung für uns Fluch oder Segen?
Häufig sitzen wir an einem stillen Ort, den wir nicht dem Lauf der Zeit verschrieben haben, sie vielleicht sogar mit dem Gedanken verbannt haben, diesen kleinen Raum nicht ihrem Druck oder den Forderungen zu unterwerfen. Ein Raum ohne Zeit ist uns jedoch nicht umfassend gegönnt. Während man gedankenversunken seinen Kaffee trinkt oder mit halb geöffneten Augen versucht die Müdigkeit abzuschütteln, ist es das Schlagen einer Kirchenuhr oder das unaufhörliche Ticken aus einem Nachbarraum, das uns ermahnt unser Zeitmanagement nicht durcheinander zu bringen.
Während die Erkenntnis, den Verlauf der Zeit durch einen in den Sand gesteckten Hirtenstab sichtbar machen zu können, vor fünftausend Jahren noch einen Begeisterungssturm ausgelöst haben mag, hat die Zeit für die Menschen des jetzigen Lebens noch einiges mehr an Bedeutung gewonnen. Zeit, so sagt man, ist heute ebenso wichtig, wie materieller Wohlstand. Schnelllebigkeit und Alltagsstress zwingen uns, unseren Tag genau zu planen, um die zur Verfügung stehenden 24 Stunden optimal nutzen zu können. So sehr manch einer den voranschreitenden Tagesverlauf verfluchen möchte, weil ein unliebsamer Termin zu schnell herannaht oder ein geliebter Mensch viel zu bald gehen muss, eines wollten wir mit der Zeit seit der Erfindung der ersten Uhren nie machen – sie totschlagen.
Die Zeit ist für uns so ein wichtiger Faktor, dass wir uns durch die sogenannte „soziale Zeit“ synchronisieren lassen. Täglich bestimmt eine vorgeschriebene Arbeitszeit den Anfang unseres Tagesverlaufes, während die Abendnachrichten im Fernsehen ihn zu beenden scheinen. Der Freizeit-Anteil in vielen Berufsschichten ist geringer geworden und es scheint fast, als hätte der Tag zu wenige Stunden, um alles zu erledigen, was morgens in den Köpfen der Menschen fein säuberlich geplant wurde. Viele Menschen befinden sich im Dauerstress, weil sie meinen keine Zeit mehr zu haben, sodass daraus tatsächlich ein gesellschaftsfähiges Problem geworden ist.
Berechtigt ist daher die Frage, ob die Erfindung der Uhr für uns heute ein Segen oder ein Fluch ist. Der entspannte Umgang mit der Zeit, ist so kompliziert geworden, dass es kaum verwunderlich ist, dass eine wunderschön designte Uhr für Liebhaber mehr Schmuckstück als Zeitmesser ist. Exklusive Exemplare zieren die Sammlungen, werden – im Falle von Automatikuhren – jeden Tag liebevoll bewegt, damit sie weiter in der Lage sind, die richtige Uhrzeit anzuzeigen, für den Fall, dass man sich den Druck der Zeit mit einer kleinen Augenweide am Handgelenk verschönern möchte. Allgemein ist positiv zu Bemerken, dass die Uhrenhersteller den Verlauf der Zeit mit einer schmuckhaften Detailverliebtheit in seiner schönsten Weise darstellen können und uns damit auch ein kleines Lächeln beim Betrachten der Uhrzeit auf das Gesicht zu zaubern vermögen.