Räucherstäbchenuhr – Uhrzeit auf exotische Art und Weise

Räucherstäbchen haben im asiatischen Raum viele Bedeutungen. Sie werden zur Entspannung entzündet, sie werden bei Meditationen verwendet und sind Bestandteil von Zeremonien des Glaubens.
Während in der westlichen Welt die Räucherstäbchen eher verpönt sind, gehören sie im östlichen Kulturkreis zur Tagesordnung. Vor vielen hundert Jahren – um genau zu sein ca. 5 bis 7. Jahrhundert n.Chr. – hatten Räucherstäbchen auch noch ein anderes Aufgabengebiet. Sie wurden als Uhren verwendet.

Uhrzeit für die Sinne: Räucherstäbchen- oder auch Weihrauchuhren fanden neben den Wasseruhren, mechanischen Uhren sowie Kerzenuhren vielerorts Verwendung. Vor allem im China des 6. Jahrhunderts waren Räucherstäbchenuhren äußerst beliebt. Die Weihrauchuhren fand man oftmals in Japan, welche bis heute noch in Tempeln verwendet werden. Forscher glauben herausgefunden zu haben, dass der Ursprung der Weihrauchuhren jedoch in Indien liegt, da die verwendeten Devanagari – das sind Schriftzeichen – die die Uhren schmückten, bei buddhistischen Zeremonien anzutreffen waren.
Die Weihrauchuhr brannte sehr gleichmäßig und ohne Flamme ab – im Gegensatz zur Kerzenuhr – weshalb sie vor allem für den Innenbereich verwendet wurde, da das Sicherheitsrisiko um ein Vielfaches geringer war.

Bei den Weihrauchuhren kann man zwischen zwei Grundformen unterscheiden: den Räucherstäbchen und dem Weihrauchsiegel. Einige Räucherstäbchenuhren wurden mit besonders kalibrierten Räucherstäbchen ausgestattet, andere hingegen wiesen einen aufwändigen Mechanismus auf, welcher sich als Gewichte herausstellte, die in regelmäßigen Abständen an einem Faden angebracht sind. Brannte das Räucherstäbchen ab, sank das Gewicht herab und fiel letztendlich auf einen Klangkörper.
Weihrauchuhren wurden oftmals sehr aufwändig verziert, vor allem die Schalen, in denen die Uhr eingebaut wurde, bestand aus den edelsten Materialien. Bei der Schalenausführung fielen die Gewichte durch eine Öffnung in ein spezielles Schubfach, wo sie dann später wieder entnommen werden konnten. Die Schalen wiesen oft auch verschiedene Formen auf, speziell Drachenformen waren äußerst beliebt.

Der „Stundenschlag“ wurde bei diese Art von Uhren nicht akustisch ausgelöst, sondern die Stunde war eine Sache des Geruchssinnes. Es wurden Räucherstäbchen verwendet, welche unterschiedliche Duftrichtungen aufwiesen. Je Stunde brannte ein anderes Duft-Räucherstäbchen ab. Die Reihenfolge der Düfte war festgelegt, z.B. 12.00 Uhr = Vanille, 01.00 Uhr = Ylang Ylang, 02.00 Uhr = Jasmin, usw.
Die Stäbchen selbst waren auch der Gestaltung eines Designers unterworfen. Es gab gerade Ausführungen, welche eine Stabform aufwiesen, des Weiteren fanden sich auch zu Spiralen verarbeitete Stäbchen. Vor allem die Spiralform war beliebt, diente sie doch zusätzlich auch der Optik, da diese auf den Dächern der Häuser und in den öffentlichen Tempeln aufgehängt wurden. Die Spiralstäbchen hatten zudem eine längere Brenndauer als die herkömmliche Stabform.

In späteren Zeiten kam zu dem exotischen Flair einer Räucherstäbchenuhr eine erotische Komponente dazu. In den Okiya – japanischen Geisha-Häuser – waren die Räucherstäbchen eine andere Art der Zeitmessung. In manchen Häusern wurde die Geisha für ihre Unterhaltung bezahlt, je nachdem wieviele abgebrannte Räucherstäbchen sie an einem Abend vorweisen konnte.

Die Räucherstäbchensiegeluhren waren in erster Linie für religiöse Zwecke, sekundär wurden sie auch für diverse festliche Anlässe verwendet.
Das Siegel der Uhr bestand aus einer Stein- oder Holzplatte, in die mehrere Nuten eingebracht waren, entsprechend der Stundenanzahl. In die Nuten wurden Harze, Duftstoffe und Weihrauch eingebracht. Von Nut zu Nut änderte sich die Duftnote und zeigte somit eine andere Stunde an. Des Weiteren gab es auch farbiges Pulver, so dass der minimal entstehende Rauch eine andere Färbung aufwies, so dass auch optisch die Stunden erkannt wurden. Weihrauchuhren gab es in verschiedenen Ausführungen, was die Abbrenndauer anbelangt. Manche wiesen nur die Abbrenndauer von 1 Stunde auf, andere hingegen konnten zwischen 12 Stunden und einen Monat lang brennen.
Während die Japaner noch die Holz- oder Steinvariante nutzten, verwendeten die Chinesen Metallplatten. Die Metallplatten erlaubten eine größere Varietät bei der Nutzung und Veränderung der Nuten, so dass diese auch nach den Jahreszeiten ausgerichtet werden konnten.

Im freien Verkauf findet man heutzutage nur noch selten eine der Original-Räucherstäbchenuhren. Entweder gingen sie verloren, kaputt oder sie befinden sich in privaten Sammlungen. Die Räucherstäbchen- und Weihrauchuhren sind begehrte Sammlerobjekte.